
Der Dienstag begann so, wie eigentlich jeder Morgen im Hostel angefangen hat. Nach
meinem Freustueck, dass zumeist aus cereals besteht, von denen ich mir nur einen Sorte gekauft habe, jedoch 4 besitzte, da drei geschlossene Packungen im "free-food"-Fach standen. NAch dem
Freusteuck und dem Kaffee aus Kolumbien bin ich nach oben in den Auenthaltsraum, indem auch ein Billardtisch steht und habe meine emails gecheckt und ein wenig geskypt.
Danach folgte eine Trainingseinheit, die es wieder in sich hatte. Die 20 Kilometer, die ich in 1h41min rannte liessen meine Wochenzahl von gelaufenen Kilometern auf 50 Kilometer steigen. %0
Kilometer in drfei Tagen ist ein ganz gutes Pensum, wenn man daran denkt, dass in knapp fuenf Wochen schon mein fuenter Marathon ansteht. Die Strapazen, die mich dort erwarten werden wieder guet
Strapazen sein. Meine Form zeigt eindeutig nach oben. Ob es fuer eine Zeitverbesserung reichen wir weiss ich nicht. Doch dies ist auch nicht mein primaeres Ziel in Muenchen. Mein Ziel ist das Ziel
und bekanntlich ist der Weg dieses. Einen weiten Weg habe ich hinter mir. Tausende Kilometer bin ich nun schon gereist und ein neues Ziel, neue AUfgbane stehe mir bevor. Werde ich diese
meistern keonenn? Ist das Leben nicht ein Marathonlauf? Gibt es nicht auch im Leben Situationen, indenen man den Hintern zusammenkneifen muss und bei dem Gang durch die Hoelle weitergehen muss?
Ich bin nach meinem Lauf zwar nicht durch die Heolle gegangen, sondern zunaechst unter die Dusche und dann in die Stadt. Auf dem Einkaufszettel standen einige Souvenirs, doch eigentlich bin ich nur
fuer mich fuendig geworden. Es gab einige Dinge, die ich in Deutschland gebraucht haette und es mir hier einfach ermoeglichen sie guenstiger zu erwerben.
Als ich auf meinem Weg die Yonge St. am Yonge-Dundas Square vorbeigekommen bin habe ich viele Anstehschlangen gesehen. Ich habe mich gefragt, was dort wohl los ist und habe gesehen, dass kostenlos
Eistee, Frauenrasierer und Pizza herausgegeben wurde. Ich habe mich in eine Schlange angestellt und einige Sachen abgegriffen. Ich habe einen Typen getroffen, der gar nicht wusste, fuer was er sich
anstellte, sondern einfach mal in die Reihe gegangen ist. Das war vielleicht bekloppt. So ging das den ganzen Tag. Ich brauchte mir nichts zum Trinken kaufen, denn wenn ich Durst hatte bin ich
einfach zum Square gegenueber des Eaton Centre und habe mir meine Dose oder Flasche mitgenommen. Alle Maenner sind am Ende mit Frauenrasierern herumgelaufen und konnten die anderen Geschenke kaum
festhalten. Das ist es, was Kanada manchmal eben doch amerikanisch macht. Diese Aktionen tragen eindeutig den Stempel USA. Doch irgendwo ist es mir ebenfalls sehr recht an einem heissen Sommertag,
den wir hier in Toronto erneut hatten, eine einkalte Erfrischung zu erhalten.
Nachdem ich ebenfalls alles erstanden hatte, was ich auf dem square bekommen wollte, bin ich auf der Yonge St. weiterspaziert. Ich war weiterhin auf der Suche nach souvenirs. Doch sorecht wollte
mir nichts einfallen. Ich moechte nicht umbedingt typische Mitbringsel erstehen und importieren, doch ganz werde ich wohl nicht vorbeikommen. Zumindest hat der erste Blick mir schonmal die Augen
geoeffnet und ich habe schon einen groben Plan, was ich fuer wen mitbringen moechte. Nach jetztigem Stand wird das Hauptproblem alles unterzubringen. Den Pfannenwok, den ich mir fuer $12 erstehen
wollte muss aus Platzgruenden in Kanada bleiben, genauso wie die Teller, die in Zebramuster sicherlich aussergewohnlich gewesen waeren, aber nicht fuer mich bestimmt waren.
In Chinatown war ich natuerlich an diesem Tag auch. Ich ahbe mir neue cranberrys mitgenommen, die mir meine Schwester auf dem Markt empfohlen hat. DIe sind aber auch lecker. Mein Geldbeutel war in
dem Geschaeft so voll mit pennys, dass ich die Verkaeuferin fragte, ob ich nicht alles mit diesen bezaehlen koenne. Sie hat sich sogar gefreut, weil sie welche brauchte. So habe ich 76cent in
pennys bezaehlt. Es war eine echte Erleichterung fuer mich und meinen Geldbeutel. Solche Gelderleichterungen nimmt man doch gerne in Kauf.
BAld darauf war es auch schon 5.30pm. Zeit, um Salina von der Arbeit abzuholen. Ich war schon zimlich muede und meine Augen waren gar zugefallen, als sie gegen 5.40pm aus dem MEC herauskam und mich
begresste. Wir sind zur Harbourfront gegangen und haben nochmal einige Zeit miteinander verbracht. Sie ist es wohl, die ich am Meisten vermissen werde. In Nordamerika ist man zwar schnell ein
"friend", "buddy" or whatever, aber Salina ist wirklich in den letzten Monaten ein echter Freund fuer mich geworden, die immer fuer mich da war.
Wir sind schon bald darauf weitergelaufen zum Rainbow cinema. Bereits am Sonntag hatte ich die Karten fuer uns geholt. Am Two-Toonie-Tuesday war die Vorstellung von "Inglorious Bastards" natuerlich
ausverkauft. Ich bin froh den Film in ENglisch gesehen zu haben, denn es wurde erstaunlich viel Deutsch gesprochen, was ich in der deutschen Version wahrscheinlich nicht mitbekommen haette. Darum
empfehle ich euch auch, wenn ihr irgendwie die Moeglichkeit habt den Film zu sehen, ihn in der Originalversion zu schauen. Doch der Film ist zimlich freaky und ein echter Quentin Tarantino. Es ist
sicherlich nicht sein bester Film, doch sehr gut anzusehen. Salina musste sich bei den blutigen Szenene immer die Augen zuhalten, da sie nicht sehen konnte, wie die Kopfhaut abgeschnitten
wurde.
Gegen kurz vor 10pm war der Film aus und ich habe Salina noch zur U-Bahn auf der King St. gebracht. Wir haben uns verabscheidet und ich bin zurueck ins Hostel, um mir noch ein paar Nuedeln mit
Gemuese zu kochen. Bald darauf bin ich auch schon ins Bett gegangen.
Natuerlich mit Gedanken an Oma, der ich eine wunderschoene Woche auf Borkum wuensche!
Am Mittwoch waren meine Beine sauer. Die Anstrengungen der letzten Tage waren doch deutlich zu spuehren. Deshalb bin ich an diesem Morgen nach dem Fruestueck nicht laufen gegangen, sondern habe
meinen Rucksack ausgeraeumt und bin losmaschiert und in einen der gelben Busse gesteigen, die Mama soviel ueber die Stadt erzaehlt haben. Eigentlich ist das Ticket ja nur eine Woche gueltig, doch
mit meinem Verhandlungsgeschick konnte ich auf den Bus aufspringen und bei offenem oberen Deck zum Casa Loma fahren. Ich hatte ein komisches Gefuehl in der Magengrube, denn ich wusste, dass dieser
Weg zum Casa Loma die Verabschiedung mit Lucy sein wuerde. Dies gibt mir die Gelegenheit "Danke" zu sagen. Danke Lucy fuer die wunderschoene Zeit mit dir. Ich bin so dankbar, dass sich unsere Wege
gekreuzt haben. Du hast mir immer wieder neue Impulse auf meinem Weg durch Canada gegeben und mir gezeigt, was es bedeutet hier zu leben. Was es bedeutet so zu leben, wie man es selbst will. Es
faellt mir schwer dies in Worte zu fassen, doch ich denke, du weisst was ich meine. Deine Worte werden mir genuegend Selbstvertauen geben, um die naechsten Jahre anzugehen. Danke!
So bin ich also bei Lucy angekommen. Ich habe ihr drei Fotos von mir gschenkt und sie umarmt. Ich wollte sie nicht aufhalten, denn sie war im Reisestress, was ich naterluch verstehen kann. Ich
hoffe sie bald wieder zu sehen und wuensche ihr das Beste fuer ihre Zukunft.
Zurueck in die Stadt habe ich wieder den gelben Doppeldecker vom Casa Loma aus genommen. Es war so langweilig. Die Person am mic erzaehlte und erzaehlte und nachdem ich sie dreimal korrigiert
hatte, bin ich am Roger Centre ausgestiegen und nochmal zur Universitaet gelaufen. Im Buchladen habe ich wieder viel zu viele Dinge fuer mich selbst eingekauft. Die Buecher hier sind zwar kaum
bezaehlbar, doch die Erinnerungen an die Aknadazeit sind unbezahlbar. So habe ich mir noch merchandising stuff von der "U of T" mitgenommen. Damn...ich muss hier raus. Meine sis hat mich
angesteckt. Fuer mich selbst werde ich mir baer noch Englischbuecher mitnehmen, denn die sind ja schliesslich in Deutschland nicht so guenstig.
Nach meinem erschoepfenden Einkaufsbummel bin ich zur Waterfront und habe mich in der Sonne gebraeunt. Zumindest habe ich es versucht, aber meine Haut laesst ja keine richtige Braeune zu. So habe
ich dabei auch noch Fitnessuebungen gemacht und den Bootsbesitzern zugeschaut. Toronto hat schon auch nette Schiffchen zu bieten. Natuerlich ist es ein tolles Hobby ein Boot zu haben, doch mal
ehrlich, wer braucht ein Boot, um gluecklich zu sein?
Eiegntlich wollte ich mich an diesem Tag schonen, doch gegen 5pm haben mich meine Beine zurueck zum Hostel gefuehrt und ich konnte nicht wiederstehen sie beim Joggen auszufuehren. Mein
Lieblingsfortbewegungsmittel hatte mich wieder im Bann. Als ich beim runnungRoom vorbeigekommen bin habe ich gesehen, dass sie heute Training ahben und habe mich ihnen angeschlossen. Nach 20
Minuten zum RunningRoom und weitere 20 Minuten mit ihnen zum Stadion sollte das eigentliche Training erst losgehen. Mit 8 Kilometern schon in den Beinen haben sie gesagt, dass sie 6x800m laufen
wollen. Dazwischen sollte die Haelfte der Zeit Pause gemacht werden. Also jemand, der 4 Minuten fuer die 800 Meter brauchen wuerde, muesste 2 minuten zwischen den Laeufen pausieren.
Ich muss zugeben, dass mein Tempotraining in den letzten Marathonvorbereitungen quasi nicht stattgefunden hat, weil ich auf dem Gebiet trainingsfaul bin. Doch diesmal wollte ich mich druchbeissen.
Steve, den ich noch von der ersten Trainingseinheit mit dem RunningRoom kannte, sagte mir, dass er etwa 3:29-3:39 laufen muss. Diese Zeit sei auf seine Marathonzeit angeglichen, die bei circa 3:38h
liegt. Ich wusste also, dass ich etwa 3:15-3:20 laufen muesste, fuer meine Marathonzeit von 3:27h. Meinen Lauf begann ich in einer Gruppe. John, ein Schotte, der nach Toronto mit 10 Jahren
immigriert ist, schoss vorne weg und eine Gruppe von eineigen Lauefern inklusive mir hinterher. Ich ueberholte saemtliche Laeufer bis auf John und ueberquerte nach 3:03min die Ziellinie. JEtzt galt
es diese Zeit zu wiederholen. Es klappte erstaunlich gut und ich rannte in den naechsten ALeufen immer zwischen 3:00-3:03min. Also wirklich regelmaessig. John und ich hatten als erstes unsere 6
LAeufe absolviert. Eigentlich waren wir schon kalt, als wir uns dazu entschlossen einen siebten Lauf zu machen. Das ist doch auch, was meine neue Lebenseinstellung ausmacht. Vor ein paar Jahren
haette ich beim 4. oder 5. Lauf aufgegeben, doch nun versuche ich immer ans Maximum zu gehen und habe es in diesem Fall sogar getoppt. Mein letzter Lauf war der Schnellste. ich brauchte 2:56min,
was ein ganz guter Wert ist. Im Internet habe ich ich nachgelesen, dass diese Zeit fuer Marathonlaeufer mit 3:20h sei. Das hat mich sehr gefreut.
Ich bin mit Rob, einem Mann in seinen besten Jahren, in einem schnellen Tempo zurueckgelaufen zum RunningRoom und habe so alles aus meionem Koerper herausgeholt. Mit Steve habe ich danach noch ein
Paar Minuten dagestanden und erzaehlt. Er hat mir die Seite
mcmillanrunning.com empfohlen, auf der ich die
Trainingszeiten finde.
Danach bin ich erneut 20 Minuten zurueckgejoggt und die Wochenkilometeranzahl auf 70 Kilometer hochgeschraubt.
Zurueck im Hostel habe ich gekocht und danach gegessen. Dort bahnte sich schon an, was sich am naechsten Morgen bestaetigen sollte: Ich war krank.
Am Donnerstagmorgen bestaetigte sich das, was ich bereits am Mittwochabend befuertet hatte. Mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten begann der Morgen doch denkbar schlecht. Ich habe Salina
geschrieben, dass der geplante geminsame Lauf nicht moeglich ist und habe den Rest des Morgens im Bett verbracht. Als ich gegen 1pm wieder aufgewacht bin, habe ich mich angezogen. Nach dem Essen
bin ich in die Stadt und habe mir Xtra starke Medikamente gegen die Bekaempfung der Grippe geholt. Hoffentlich ist es bis am Dienstag wieder gut.
In der Stadt konnte ich nicht lange laufen, denn schnell war ich erschoepft. So habe ich mich nur hingelegt und wieder geschlafen und geschlafen und Briefe geschrieben und geschlafen.
Nach dem Essen habe ich genau, geschlafen und werde es wohl auch den ganzen Freitag machen muessen. Doch am Freitag treffe ich mich auch noch mit Carly, einer Freundin einer Freundin.
Wuenscht mir gute Besserung.
Euer
Bjoern